»Evelin« — von Antony Sojka

»Evelin« © Anthony Sojka

Anthony Sojka studiert seit dem Frühjahr 2010 an der Ostkreuzschule Fotografie. Im Rahmen dessen entstand ein interessantes Portrait von einer Frau, die des Tanzens nicht müde wird. Er traf sie in dem Berliner Clubrestaurant White Trash und war von ihrer Energie fasziniert. Über ein halbes Jahr lang begleitete Anthony Sojka Evelin, um sie schliesslich an einem einzigen Tag fotografieren zu dürfen. Anthony Sojka, 24, ist in Brasilien aufgewachsen, lebt seit 13 Jahren in Deutschland und seit 3 Jahren in Berlin und hat uns 5 kurze Fragen beantwortet.

 

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Ich habe gerne fotografiert und fand es spannend wie Bilder auf Menschen wirken können. Aber dieser Schritt kam bei mir erst recht spät. Ich fotografiere erst seit ich 19 bin. Davor hab ich zwar auch öfters eine Kamera in der Hand gehabt, aber ich habe noch keine konkreten Pläne damit verfolgt.

Wie findest Du Deine Themen? Und wie bereitest Du Dich auf sie vor?
Ganz ehrlich: Ich suche meine Themen nie. Ich verdanke alles dem Zufall. Ich bin dann scheinbar zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und treffe jemanden der eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Dann versuche ich es mit Hilfe von Fotos wieder zu geben. Eine große Vorbereitung gibt es für mich dann eigentlich eher weniger. Ansonsten mache ich jeden Tag einen langen Spaziergang und dabei sieht man schon jede Menge was sich inspirierend auswirken kann.

Deine Evelyn Geschichte zeigt ein Portrait eines energetischen, lebenshungrigen Menschen, bei dem man trotzdem den Eindruck nicht los wird, dass sie zuweilen gegen die Alterseinsamkeit ankämpft. Wie hast Du sie kennengelernt? Und wie würdest Du sie als Person beschreiben?
Ich bin im White Trash auf einer Party gewesen und hab Evelin dort gesehen. Ich habe nicht lange gebraucht um zu ihr zu gehen und sie zu fragen ob ich ein Portrait von ihr machen darf. Wir haben noch ein wenig geredet, zusammen eine Brause getrunken und ich hab ihr meine Telefonnummer gegeben mit der Bitte, dass sie sich bei mir melden soll, wenn sie denn auch Lust hat. Wenige Tage später hat sie mich angerufen und wir haben uns auf ein Kaffee getroffen. Ich habe meine Kamera mitgenommen, wir haben viele Stunden miteinander geredet und ich bin mit keinem einzigen Bild nach Hause gegangen. Wir haben uns für viele Monate mehrfach in der Woche gesehen und sie hat mir in dieser Zeit viel aus ihrem Leben erzählt. Nach einem halben Jahr habe ich ihr dann gesagt, dass ich doch gerne endlich ein Foto von ihr machen will und sie schlug mir vor sie zu Hause zu besuchen. Sie erzählte mir, dass sie sonst niemanden zu sich einlädt und dass ich bitte nicht schockiert über den Zustand sein darf. Von nun an haben wir uns mehrmals im Monat bei ihr in der Wohnung getroffen, haben zusammen eine Kleinigkeit gegessen und Tee getrunken und sie erzählte mir immer neue Geschichten aus ihrem Leben. Ich hatte aber immer noch kein Bild machen können. Irgendwann kam ein Tag wo wir zusammen ins White Trash gehen wollten. Ich hab sie abgeholt und durfte in der Wohnung für etwa fünfzehn Minuten fotografieren. Dabei sind die Bilder entstanden die ihr kennt. Im Verlauf des Abends sind dann alle weiteren Fotos entstanden.
Evelin ist eine sehr lebensfrohe Frau und hat schon verdammt viel durchmachen müssen. Sie wollte einfach immer etwas erleben und das hat sie meiner Meinung nach auch geschafft.

Wie lange hast Du Sie begleitet? Hattest Du ein bestimmtes Ziel dabei vor Augen gehabt? Und gab es Situationen, die Du gern fotografiert hättest, aber es nicht konntest?
Ich habe Sie ca. 8 Monate lang im Jahr 2009 begleitet. Fotografisch aber nur einen einzigen Tag. Sie hat mir immer neue Ausreden gegeben, warum ich sie erst beim nächsten Besuch fotografieren soll bzw darf. Mein Ziel war eigentlich immer nur dieses eine Portrait. Mehr wollte ich nicht. Es gab unzählige Momente, die ich gerne fotografiert hätte aber sie erlaubte es mir leider nie und ich wollte sie auch nicht verärgern.

Welches Bild liegt Dir aus der Serie besonders am Herzen?
Natürlich das Portrait. Ich finde es sagt alles über Evelin aus. Man entdeckt so vieles in dem Chaos ihres Wohnzimmers, ihre Beine haben eine sehr lässige Haltung und ihr Blick wirkt auf mich entschlossen und angstfrei; sie wirkt wie die Ruhe in Person. Sie lässt Menschen gerne nah an sich heran, öffnet sich aber nicht gleich jedem und hat immer eine kleine Mauer hinter der sie sich versteckt und genau dafür steht für mich dieser helle Stuhl im Vordergrund, der zwischen mir und ihr steht. Es ist ein Bild welches mir sehr am Herzen liegt und auf das ich stolz bin.

Vielen Dank für das Interview!

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  1. Frauke Schnoor sagt:

    Wunderschön!

  2. Patricia sagt:

    Unglaubliche Frau und tolle Fotos!

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