Boris Mikhailov. Im Gespräch

Die dritte Ausstellung des ukrainischen Fotografen in Berlin Time is out of Joint zeigt die ganze Vielfalt der Arbeitsweise von Boris Mikhailov von den 1960ern bis heute. Die ausgestellten Werke sind nicht nur dokumentarisch, sie experimentieren mit verschiedenen Ausdrucksweisen. Bei Mikhailovs Blick auf die Menschen zeigt sich sein ausgeprägtes Interesse an verschiedenen Charakteren.

Im Gespräch mit der Direktorin des Office of Contemporary Art Norway Marta Kuzma erläutert er sein Verständnis von Ästhetik und seine Arbeitsweise.

Angefangen hat Boris Mikhailov als Ingenieur, bis die Wende zur Fotografie kam:

“What did a poor engineer do to attract a woman?

– Well, that’s why I became a photographer.”

Bereits binnen weniger Minuten hat man verstanden, dass hier ein humorvoller Mensch vor einem sitzt, der sich selbst auch nicht allzu ernst nimmt. Boris Mikhailov macht einen sehr sympatischen Eindruck.

Als er anfing, machte er grundsätzlich alles anders als es von ihm erwartet wurde. Das war sein Geheimrezept.

“It was not about art at all.”

Mit seinen Bildern will Mikhailov eine besondere Sensibilität schaffen. Nach seinem Empfinden ist das, was wir sehen, alles andere als die Realität. Die Vielschichtigkeit und Zerbrechlichkeit der Gesellschaft soll durch seine Bilder transportiert werden.

In Gorod – einer seiner frühesten Arbeiten – kontrastiert Boris Mikhailov das Öffentliche mit dem Privaten. Diese Bilder zeigen ein abwechslungsreiches Bild der Sowjetunion, die öffentlich kontrolliert wird, im privaten jedoch Wärme und Freude verkörpert.

Seine Serie Butterbrot entstand zeitgleich mit der Roten Serie zwischen 1968 und 1975 und kann als Auftakt seines künstlerischen Schaffens verstanden werden. Die Überblendungen sollen aus zwei gegensätzlichen Motiven ein neues Bild schaffen, das dem Betrachter zum Zweifeln, Nachdenken und genaueren Hinsehen animiert.

Wie viele seiner Arbeiten ist auch Berlin ein dokumentarisches Langzeitprojekt. Mit seinem speziellen Blick ist Boris Mikhailov In the Street in Berlin unterwegs, immer mit der Frage im Kopf: Was könnte der deutsche Durchschnittsbürger sein? Da auf diese Frage sicherlich nicht schnell eine Antwort gefunden werden kann, ist es umso spannender Mikhailov auf seiner Suche nach derselben zu begleiten.

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist sehr abwechslungsreich gestaltet, die Werke von Mikhailov sind meist großformatig zu betrachten, der Eindruck ist überwältigend. Sie läuft noch bis 28. Mai 2012.

Es finden noch weitere Gespräche mit Boris Mikhailov statt.

 

 

Berlinische Galerie

Landesmuseum für Moderne, Kunst, Fotografie und Architektur

Stiftung Öffentlichen Rechts

Alte Jakobstraße 124-128

10969 Berlin

www.berlinischegalerie.de

bg@berlinischegalerie.de

Tel +49 (0)30-789 02-600

Fax +49 (0)30-789 02-700

 

Öffnungszeiten

Mittwoch-Montag 10 – 18 Uhr

Dienstag geschlossen
Eintrittspreise

Tageskarte 8 Euro

Ermäßigt 5 Euro

jeden ersten Montag im Monat 4 Euro

Freier Eintritt bis 18 Jahre

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