iJournalism – Part I: iPhone-Fotografie – die eigene Ästhetik

© Damon Winter/The New York Times

Welche Möglichkeiten für iJournalism gibt es? Wer schafft es, das neue Medium, so zu nutzen, dass daraus ein Mehrwert entsteht? Ist das iPhone nicht bloß eine Spielerei für Fotolaien? Wie verändert das iPhone die journalistische Fotografie? Die ist der Beginn einer kleinen Reihe auf editforthemasses.de, die in einzelnen Kapiteln die Veränderung der Pressefotografie durch das iPhone darstellt.

Part I: iPhone-Fotografie – die eigene Ästhetik

iPhone-Fotografie ist bereits zu einem Synonym geworden, für eine bestimmt Art zu fotografieren. Selten zuvor hat das Gerät, mit dem eine Aufnahme gemacht wurde, so sehr dazu geführt, die Art der Aufnahme zu definieren.

Vergleichbar mit der Entwicklung der iPhone-Fotografie ist die Einführung der Leica 1924. Auch sie revolutionierte damals die Reportagefotografie. Die Leica machte es möglich, mit der Kamera überall zu sein, sie wurde zum ständigen Begleiter sämtlicher Fotojournalisten. Ihr Format und die Mobilität waren einzigartig für die damalige Zeit. Nie zuvor ließ sich hintereinander eine Reihe von Bildern machen, die die Kontinuität eines Ereignisses wiedergab. Die Leica prägte die Presse-Fotografie für mehrere Jahrzehnte.

Dabei war allerdings auch entscheidend, dass sie mit einer der modernsten Techniken arbeitete. Die Präzision, mit der diese Kamera Wirklichkeit einfängt, war beeindruckend für die damalige Zeit. Die Optik und die damit erreichbare Bildqualität setzten neue Maßstäbe. Mit der aufkommenden iPhone-Fotografie ist es anders. Hipstamatic ist das Stichwort. Die Standard-Kamera des Smartphones zu verwenden ist nicht üblich. Alles ist möglich, zahlreiche Filter, Voreinstellungen, Filme ermöglichen die verschiedensten Aufnahmen Die Ästhetik orientiert sich vor allem an Bildfehlern, an den Schwächen alter Kameras, starke Vignettierungen, Farbverschiebungen, wie sie bei abgelaufenen Filmen bekannt sind.

Mittlerweile haben sich viele renommierte Fotografen  auf unterschiedlichste Weise mit der iPhone-Fotografie beschäftigt.

Einer der ersten, der die iPhone-Fotografie für die Dokumentation von Kriegsgeschehen einsetzt, ist vermutlich Damon Winter. Er gewinnt mit seiner Dokumentation “A GRUNT’S LIFE” für die New York Times über den Kriegseinsatz in Afghanistan den dritten Platz in der Kategorie Feature Picture Story – Newspaper bei der 68. Verleihung von Picture of the Year International.

Er will mit seiner Fotografie zeigen, dass es trotz der iPhone-Fotografie nicht genügt, die passende App zu kaufen und automatisch die richtigen Fotos zu schießen. Seine Motivauswahl und Komposition machen sofort deutlich, dass es sich hier um die Arbeit eines Profis handelt.

© Damon Winter/The New York Times

© Damon Winter/The New York Times

© Damon Winter/The New York Times

Michael Christopher Brown überlebt den Zwischenfall, der sich am 20. April in Misratah, Libyen ereignet. Chris Hondros und Tim Hetherington, zwei seiner Kollegen, sterben bei der Explosion – Guy Martin wird schwer verletzt. Da seine Kamera bereits in den ersten Tagen des Aufstands kaputt ging, griff er als Alternative zum iPhone samt Hipstamatic-App.

“Using a phone has brought my attention less to the craft and more to what I am photographing and why. So, the question becomes not where I see the phone taking my work, but where the work will take me.” (Michael Christopher Brown)

© Michael Christopher Brown

© Michael Christopher Brown

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Fotos und Projekte abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*