“Glatt geschliffen ist nichts für mich”

Bosnia Faces © Andy Spyra

 

Seine Bilder erzählen von Menschen, Konflikten, anderen Kulturen. Dabei spielen nicht nur die harten Fakten eine Rolle. Andy Spyra möchte fotografische Geschichten nicht nur Belegbilder liefern. Von ihrer Ästhetik erinnern die oft grobkörnigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stark an große Reportagefotografen wie Antoine d’Agata und
Philip Jones Griffiths.
Carla Rosorius hat mit ihm über seine Arbeitsweise gesprochen.

 

Bosnia Landscapes © Andy Spyra

 

Carla: Häufig bist du in sogenannten Krisengebieten unterwegs. Was interessiert dich daran?

Andy: Grenzbereiche der menschlichen Existenz üben auf mich eine gewisse Faszination aus. Mich interessieren vor allem Extreme einer Gesellschaft. Davon findet man in Deutschland eher wenig. Deswegen fahre ich in die Welt. Dabei lege ich den Fokus allerdings immer auf die Menschen und ihren Umgang mit der Situation.  Mich interessiert, wie Gesellschaften auf Umbrüche reagieren, wie die Bevölkerung damit umgeht. Dabei ist es mir auch wichtig, immer beide Seiten zu beleuchten – Opfer und Täter.
Viele der Situationen, die ich dokumentiere, empfinde ich als ungeheuerlich wie z.B. Zerstörung von Srebenica im Krieg auf dem Balkan.

C: Wie ist es, als junger Fotograf in Krisengebieten zu arbeiten?

A:Vorbereitung ist wichtig. Allerdings lasse ich mich auf die Situation vor Ort ein. Ich beobachte das Leben auf der Straße, denn dort findet es statt. Ich versuche, Momente zu finden, die charakteristisch für die dortige Situation sind, und halte diese fest.

 

Christian Exodus © Andy Spyra

 

C: Deine Fotografien verbinden dabei Inhalt mit Ästhetik. Zunächst einmal sind sie schwarz-weiß für journalistische Fotos im digitalen Zeitalter erst einmal ungewöhnlich. Du hast ein paar Jahre in Hannover studiert.
Welchen Einfluss hatte dies, auf deinen Stil zu fotografieren?

A: Mein Stil entspricht meinem persönlichen Geschmack, er ist für mich die geeignete Ausdrucksweise, eine Geschichte zu erzählen. Glatt geschliffener Magazinjournalismus ist nichts für mich. Man könnte sagen, meine Erzählweise habe ich aus Hannover mitgenommen. Nicht nur gute Einzelbilder zu liefern, sondern mit Bildern eine Geschichte zu erzählen.

Kashmir © Andy Spyra

 

C: Viele in deinem Alter – gerade in Deutschland – setzen sich fotografisch eher mit ihrer direkten Umwelt auseinander. Wie stehst du dazu?

A: Der Fokus meiner Arbeit, also die Themen die ich kommunizieren möchte, sind einfach andere. Ich halte nichts von fotografischer Nabelschau und finde auch keinen Zugang zu jenen Arbeiten die sich mit den Unsicherheiten ihrer Akteure befassen. Als Fotograf ist man ohnehin immer in seinen Bildern präsent – muss man dann seine eigene Persönlichkeit auch noch auf ein Podest stellen? Für mich gilt: Nein, ich muss das nicht.

C: Die Ziele, die du dir aussuchst – Kashmir, Palästina, Bosnien, Äthiopien – das sind nicht gerade klassische Urlaubsziele. Welche Unterstützung hast du vor Ort?

A: Das ist ganz unterschiedlich. Ich höre von Ereignissen, die ich spannend finde, das macht mich neugierig. Diese Neugierde treibt mich an, deswegen ziehe ich los. Vor Ort ist es auch immer unterschiedlich. Wenn ich mit Englisch nicht weit komme, brauche ich natürlich Unterstützung und die hole ich mir von Einheimischen. Dann fahre ich durchs Land und lasse mich von dem inspirieren, was vor meinen Augen passiert und es passiert immer etwas – überall auf der Welt.

 

Bosnia Prazna Kuca © Andy Spyra

 

C: Durch die besondere Ästhetik deiner Bilder könnte der Eindruck entstehen, du wählst immer genau die passende Kamera zur Situation aus. Wie wichtig ist für dich die Kamera, mit der du fotografierst? Glaubst du eine Kamera hat auch Einfluss auf die Reaktion der Fotografierten?

Foto-Technik ist spannend, aber sie bestimmt nicht das, was ich fotografiere. Ich entscheide mich meist im Vorfeld für eine Art Kamera, mit der fotografiere ich dann, es ist nicht so, dass ich immer mit umfangreichem Gepäck unterwegs bin. Einfluss auf meine Subjekte übe ich ohnehin dadurch aus, dass ich da bin und fotografiere. Daran kann eine Kamera auch nichts ändern.

Kashmir © Andy Spyra

Kashmir © Andy Spyra

Palestine © Andy Spyra

Ethopia © Andy Spyra

Christian Exodus © Andy Spyra

Kashmir © Andy Spyra

Palestine © Andy Spyra

Palestine © Andy Spyra

Andy Spyras Portfolio ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Ein Blick auf seine Website lohnt sich, genauso wie auf die Website des Journalistenkollektivs Enarro, dem er angehört.

Vielen Dank für das Gespräch und die Fotos!

 

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