Objects of sentimental value: romka magazine

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My favorite images are the ones I found or got given. My objects of sentimental value.*

 

Joscha Bruckert ist Gründer und Leiter des unabhängigen Fotomagazins romka magazine. Für jedes Heft kuratiert er die Auswahl der Fotos. Die Einreichung von Fotos der Leser ist dabei ausdrücklich erwünscht und spielt für das Selbstverständnis des Magazins eine große Rolle.
Denn für jedes Bild steht ein persönliches, visuelles Gedächtnis: eigene Geschichten, Erinnerungen und Emotionen. Romka schafft es in jeder neuen Ausgabe, tolle Fundstücke mit den dazugehörigen interessanten Geschichten zu versammeln, die teils melancholisch, teils witzig und komisch sind und mit einer gewissen Leichtigkeit auch die großen Themen des Lebens nicht scheuen.

Visuell ist das Heft spannend, auch weil viele Stereotype des professionellen Fotografierens gnadenlos gebrochen werden und keine Trennung zwischen professionellen und Amateurfotografien statt findet (in der letzten Ausgabe sind zum Beispiel neben den Fotos von Laien auch Bilder von Alec Soth und Roger Ballen zu finden). Joscha hat uns erzählt, wie sich das Projekt entwickelt hat und mit uns über seine Ansichten zu Fotografie und zum Publishing geredet.
Die letzte Ausgabe ist hier zu finden. Die Fotos für das nächste Heft kann man jetzt schon einreichen. Viel Spaß damit

A: Lieber Joscha, kannst du uns erzählen, wie du überhaupt mit romka magazine angefangen hast?

J: 2008 habe ich an der FH Dortmund studiert und das Seminar “The Market” bei Prof. Cindy Gates belegt. Die Aufgabe bestand darin, marktorientierte Projekte zu entwickeln, um sich auf den Alltag als arbeitender Fotograf vorzubereiten. Ich hatte keine Lust auf Werbekampagnen und wollte mich stattdessen mal als Verleger versuchen.


Zu der Zeit gab es eine große Welle an Onlinemagazinen, speziell zur Fotografie. Mir ist aber aufgefallen, dass die meisten dasselbe Thema hatten: “Emerging Photographers” stand in praktisch jedem about-Text.

Die “echten”, also die etablierten Magazine, haben sich da auch nicht groß unterschieden. Überall ging es um Kunst, Mode, Auslandsreportagen, Technik.

 

 

Dabei spielt Fotografie doch für die allermeisten Menschen eine ganz andere Rolle!

Wir benutzen das Medium, um private Erinnerungen festzuhalten. Geliebte Menschen, wichtige Momente und Orte – wir halten unser Leben mit diesen kleinen Fragmenten zusammen.

 

 

Also habe ich mich entschieden, ein Heft über genau diese Bilder zu machen. Angefangen hat das Ganze ebenfalls als Onlinemagazin, also ein PDF, das man sich auf der Website herunterladen konnte. Nach vier Ausgaben habe ich dann den Sprung aufs Papier gewagt. Die romka #6 war dann die erste in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Benedikt Bock, seitdem nehme ich das Projekt auch richtig ernst und stecke sehr viel Zeit rein.

 

 

 

A: Ganz am Anfang hat romka magazine mit „our favourite photographs“ Bildstrecken auch ohne Texte gezeigt, im Lauf der Zeit ist das Verhältnis zwischen Wort und Bild immer enger geworden und man hat das Gefühl, dass auch dein Interesse an diesem Verhältnis zugenommen hat. Jetzt lautet der Untertitel: „our favorite photographs & the stories behind them“, was bedeutet diese Entwicklung? Was hat dich zu diesen Veränderungen bewegt?

J: Ich wünschte, dafür gäbe es einen echten Grund, das ist aber leider nicht so. Man lernt einfach mit den Jahren dazu, denke ich. Bilder erhalten ihre Bedeutung immer erst durch den Kontext, in dem sie stehen, und ein Zusammenspiel von Bild und Text ist eigentlich immer spannend.

 

 

Vor allem, wenn die beiden nicht 100%ig zusammenpassen
, wenn man an die besonderen Eigenschaften dieses Mediums erinnert wird oder wenn man einfach nur Informationen vermittelt, die durch das Bild illustriert oder bewiesen werden.

 


Ich war also anfangs einfach nicht konsequent genug bzw. habe noch nicht ganz verstanden, wie wichtig mir die Geschichten hinter den Fotos sind. Es gibt einige Beispiele aus den früheren Ausgaben, wo ich das gerne nachholen würde:

 

 

Es ärgert mich natürlich, dass das Teilnehmerarchiv dadurch etwas lückenhaft wirkt — wenn ich irgendwann mal viel Zeit habe, hole ich das nach und bringe die fehlenden Geschichten in Erfahrung.

 

 

A: In Romka Magazine #7 schreibst du: „The act of editing is inherently photographic, in the very least, equally important as taking pictures in the first place“.
Du bist Fotograf und Independent Publisher, wie hat dieses Projekt deine fotografische Arbeit beeinflusst?

J: Ich habe seit meiner Abschlussarbeit in 2011 nicht mehr fotografiert, streng genommen habe ich schon 2010 so ziemlich aufgehört. Je länger und intensiver man darüber nachdenkt, was man fotografieren soll, desto frustrierter wird man.

 

 

Ich war eine ganze Weile extrem zynisch und fand ausnahmslos jede fotografische Arbeit, die ich gesehen habe, zum kotzen. Auf Ausstellungen oder in Museen bin ich wütend geworden, habe alles besserwisserisch kommentiert und habe dann vorm Eingang auf die anderen gewartet.

 

 

Das legt sich glücklicherweise so langsam, vielleicht fange ich bald mal wieder ein Projekt an. Den Spaß an den Fotos für romka habe ich während der Zeit nicht verloren und mit den Bildern anderer zu arbeiten bereitet mir weiterhin große Freude.

 


Ich glaube, im Endeffekt habe ich einfach nie einsehen wollen, dass es keinen Unterschied zwischen Fotos und künstlerischen Fotos gibt. Dass es da keine Grenze gibt ist natürlich logisch und man liest es überall und niemand würde es heutzutage mehr in Frage stellen, aber ich habe dann doch ein paar Jahre gebraucht, um das wirklich zu verstehen.

 


Das Editieren / Auswählen ist fotografisch, weil alles am Fotografieren eine Auswahl ist: ich bin mir ziemlich sicher, dass man jede fotografische Problemstellung auf zwei Grundfragen herunterdestillieren kann: 1. Was zeige ich? 2. In welchem Verhältnis stehen die Einzelteile zu einander? Das gilt sowohl für das Einzelbild und das, was darauf abgebildet ist als auch für die gesamte Arbeit und ihre Einzelbilder etc.


Ich glaube auch, dass die meisten fotografischen Arbeiten an der Auswahl scheitern oder zumindest nicht ihr volles Potential entfalten. Es kommt selten vor, dass man eine Arbeit sieht, die man nicht mindestens um die Hälfte kürzen könnte. Das klingt jetzt wieder besserwisserisch. Nicht so gemeint, still learning! : )

 

Joscha hat vor ein paar Jahren seiner lieben Freundin Roma versprochen, ihr sein erstes Fotobuch zu widmen. Jetzt mache er zwar keine Bücher mehr, aber hat dieses Projekt nach ihr bennant: Roma ist Polin und “Romka” ist die polnische Verniedlichung ihres Namen.

 

*Lena Dobrowolska flickr.com/eskimos zitiert in: Romka Magazine #3

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