Blattkritik #32: de:bug – Über die Bilder von Bildern

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Selfies sind digitale Selbstportraits, die in der kurzen Geschichte des sozialen Netzwerke wohl 2012 ihren Zenit überschritten hatten. Den Arm samt Kamera weit von sich gestreckt, eingezogene Wangen, gespitzte Lippen, die Augen weit aufgerissen. Wir inszenieren uns selbst und bestimmen wo, wann und wer, welche geschönte Version unseres Abbilds zu sehen bekommt. Botox fürs Image. »Pimp up your profile«, nennt Felix Knoke das Phänomen in seinem aufschlussreichen Artikel. »Selfies suggerieren Authenzität, sind aber auschoreografierte Bilder.«


Der Berliner Fotograf Wolfram Hahn hat sich mit seiner Serie »Into the Light« dem Thema fotografisch genähert. Er stellte die Selbstportraits am Ort des Entstehens nach. Dabei achtete er darauf, das sein Bild genau in dem Moment der Selbstaufname der Protagonisten entstand. Typischerweise mit deren Kamerablitzen.

Die Inszenierung seiner Bilder überlässt er ein stückweit seinen Akteuren, um das Selbstinszenierungsmotiv in seine eigenen Bilder zu transportieren. Die Räume der Selfie-Darsteller sind dabei sehr wichtig. Sie zeigen wesentliche Details der privaten Umgebung, in der sie sich isoliert von der Außenwelt für die virtuelle Netzgemeide aufhübschen, um Ihre Street- nein: Netz-Credibility aufzuwerten.

 

Fotograf: Wolfram Hahn
Fotoredaktion und Artdirektion: Lars Hammerschmitt
Autor: Felix Knoke

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